Braucht man eine Ausbildung, um Übersetzer zu werden?
Rechtlich nicht. Die Berufsbezeichnungen Übersetzer und Dolmetscher sind in Deutschland nicht geschützt, und grundsätzlich kann sich jeder so nennen[1]. Der BDÜ, der größte Berufsverband, nennt die reguläre Ausbildung trotzdem den üblichen Weg, weil Recherche, Terminologie und Fachwissen weit über gute Sprachkenntnisse hinausgehen[1].
Geschützt sind dagegen bestimmte Abschlüsse, etwa die Bezeichnung "Staatlich geprüfte Übersetzerin" oder "Staatlich geprüfter Übersetzer" nach der staatlichen Prüfung[2]. Für Kunden und Gerichte sind solche Abschlüsse der Nachweis, auf den sie achten.
Die drei Wege in den Beruf
| Weg | Für wen | Abschluss |
|---|---|---|
| Studium an Hochschule oder Fachakademie | Schulabgänger und Studierende mit Sprachen | Bachelor oder Master in Übersetzen, in Bayern auch Fachakademie mit staatlicher Prüfung[2] |
| Staatliche Prüfung | Quereinsteiger mit Ausbildung oder drei Jahren Berufspraxis und Sprachkenntnissen[2] | Staatlich geprüfter Übersetzer[2] |
| IHK-Prüfung | Wer schon übersetzt und Wirtschafts- und Sprachkenntnisse hat[4] | Geprüfter Übersetzer, geregelt in der Übersetzerprüfungsverordnung[4] |
Die staatliche Prüfung gibt es auch für Sprachen, die man in Deutschland nicht studieren kann[2]. Für Quereinsteiger ist sie laut BDÜ die einzige Möglichkeit, ihre Qualifikation formal nachzuweisen[3]. Angeboten wird sie allerdings nur in wenigen Bundesländern, und nicht für jede Sprache[3]. Die IHK-Prüfung fand laut BDÜ zuletzt in Wiesbaden für Englisch statt[4].
Vereidigter Übersetzer werden
Wer beglaubigte Übersetzungen anfertigen will, lässt sich in seinem Bundesland beeidigen, ermächtigen oder öffentlich bestellen. Seit dem Gerichtsdolmetschergesetz von 2023 haben die meisten Länder ähnliche Bedingungen für Übersetzer in ihre Gesetze übernommen, und die bestandene staatliche Prüfung ist dafür die zentrale Voraussetzung[3].
- Fachkenntnisse
- Eine staatliche oder staatlich anerkannte Prüfung, oder eine ausländische, die als gleichwertig anerkannt ist[5]
- Rechtssprache
- Grundkenntnisse der deutschen Rechtssprache[5]
- Persönliches
- Volljährig, geeignet, zuverlässig, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse[5]
- Antrag
- Mit Lebenslauf und Führungszeugnis, nicht älter als sechs Monate[5]
Die Begriffe je Bundesland und die Suche in der Datenbank der Justiz erklärt der Ratgeber beeidigter Übersetzer.
Was verdient man als Übersetzer?
Freiberufler vereinbaren ihre Preise mit dem Kunden. Einen festen Anhaltspunkt gibt das JVEG, nach dem Gerichte zahlen. Es sieht 1,95 Euro für jeweils angefangene 55 Anschläge vor, wenn der Text editierbar kommt, und 2,15 Euro, wenn nicht[6]. Bei besonders schwierigen Texten, etwa schwer lesbaren Vorlagen oder seltenen Sprachen, liegt der Satz höher[6].
Wie Sie Normzeilen zählen und eine Rechnung an das Gericht schreiben, zeigt der Ratgeber JVEG für Übersetzer.
Die Werkzeuge im Alltag eines Übersetzers
Der BDÜ zählt den professionellen Umgang mit Computertechnologien zu den Grundlagen des Berufs, dazu Terminologiearbeit und Sprachdatenverarbeitung[1]. Im Alltag heißt das vor allem drei Dinge.
- Ein CAT-Tool wie Trados, memoQ oder Matecat mit Translation Memory und Terminologie. Der Ratgeber CAT-Tool vergleicht die Programme.
- OCR für Scans. Urkunden und Zeugnisse kommen oft als Scan. memoQ etwa liest gescannte PDFs nicht und empfiehlt ein OCR-Programm vorab[7].
- Ein Zähler für Normzeilen. Für Angebote und JVEG-Rechnungen zählt der kostenlose Wörterzähler für PDF auch Scans.
LoreAI macht aus einem Scan eine bearbeitbare Word-Datei mit Tabellen und Stempeln an ihrer Stelle, in der Ausgangssprache oder vorübersetzt in eine von 105 Sprachen. Die Übersetzung und Ihr Bestätigungsvermerk bleiben Ihre Arbeit. Das erste Dokument ist kostenlos, bis 3 Seiten.
Häufige Fragen
Ist Übersetzer ein geschützter Beruf?
Kann man ohne Studium Übersetzer werden?
Ja, über die staatliche Prüfung. Zugelassen wird man mit einer passenden Ausbildung oder mit Sprach- und Fachkenntnissen und drei Jahren Berufspraxis[2].
Wie lange dauert die Ausbildung zum Übersetzer?
Das hängt vom Weg ab, vom Bachelor an einer Hochschule bis zum Vorbereitungskurs auf die staatliche Prüfung. Die Fachakademien in Bayern schließen mit der staatlichen Prüfung ab[2].
Wie werde ich vereidigter Übersetzer?
Mit einer anerkannten Prüfung, Grundkenntnissen der deutschen Rechtssprache und einem Antrag bei der zuständigen Stelle Ihres Landes[5].
Quellen
- BDÜ: Wege zum Beruf, abgerufen am 5. November 2026
- BDÜ: Wege zum Beruf, Staatliche Prüfung, abgerufen am 5. November 2026
- BDÜ: Positionspapier zur Staatlichen Prüfung Übersetzen bzw. Dolmetschen (PDF, 2025), abgerufen am 5. November 2026
- BDÜ: Wege zum Beruf, IHK-Prüfung, abgerufen am 5. November 2026
- § 3 Gerichtsdolmetschergesetz (GDolmG): Voraussetzungen der allgemeinen Beeidigung, abgerufen am 5. November 2026
- § 11 Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG): Honorar für Übersetzungen, abgerufen am 5. November 2026
- memoQ Documentation: PDF (Portable Document Format) files, abgerufen am 5. November 2026
Von Matt Mountain ·